Liebe Leserin, lieber Leser, Weihnachten und Jahresende laden uns jedes Jahr zum Innehalten ein, in diesem Jahr vielleicht mehr denn je. Wenn wir auf die vergangenen Monate zurückblicken, sehen wir eine Welt in Bewegung und vielfach in Unruhe: Bei uns gab es vorgezogene Neuwahlen und einen Regierungswechsel, es herrscht weiterhin Krieg in Europa, in den USA haben sich tiefgreifende politische und gesellschaftliche Veränderungen vollzogen, die noch nicht zu Ende sind und deren Auswirkungen wir auch hier deutlich spüren. Viele dieser Entwicklungen werfen Fragen auf: (Wie) kann unsere Gesellschaft stabil bleiben? Wie bewahren wir in Zeiten, in denen Spaltung, Verunsicherung und Hass lauter werden, Solidarität, Demokratie, Menschlichkeit und Zusammenhalt? Gerade auch aus hospizlicher Perspektive ist dies keine abstrakte Frage. Unsere tägliche Arbeit zeigt, wie sehr Menschen auf verlässliche Beziehungen, auf Mitgefühl und auf ein tragendes Miteinander angewiesen sind – am Lebensende ebenso wie mitten im Leben. Ein zukunftsweisender Ansatz ist der der Caring Communities, der sorgenden Stadtgesellschaften. Sie greifen die Hospizidee auf und tragen sie weiter in Familien, Nachbarschaften, Vereine und Kommunen in dem Sinne, dass wir alle gemeinsam verantwortlich sind, damit in unseren Städten und Gemeinden gut gelebt und auch gut gestorben werden kann. Sie stärken das soziale Netz vor Ort und erinnern daran, dass die Sorge füreinander in Zeiten von Krankheit und Sterben nicht nur eine Aufgabe pflegender Angehöriger und weniger Fachkräfte ist, sondern wir alle gefragt sind.
Im Rahmen eines Termins Anfang Dezember mit der Bundesministerin für Gesundheit Nina Warken war die im Koalitionsvertrag verankerte politische Unterstützung der Caring Communities ein Hauptthema. Verwandte Themen, die wir auch im Blick auf die dringend notwendige Stärkung und Strukturierung der Suizidprävention als DHPV dazu auf der Agenda haben, sind u. a. die Weiterentwicklung des Hospiz- und Palliativgesetzes und der Ausbau verlässlicher Trauerbegleitung. In der diesjährigen Vorweihnachtszeit begleitet mich ein Bild aus dem alten Adventslied: „Maria durch ein Dornwald ging“. Als Maria „mit dem Kindlein unterm Herzen“ durch den Dornwald ging, „da haben die Dornen Rosen getragen“. Dort, wo Dürre, Schmerz und Kargheit waren, entsteht Leben, Farbe und Schönheit – etwas, das zuvor niemand für denkbar gehalten hätte. Dies gelingt, weil Leben und Liebe wirken können auch bei Verhärtungen und Unbeweglichkeiten. Für mich ist das ein starkes Bild für Weihnachten: nicht als Verklärung der Realität, sondern als leise, beharrliche Hoffnung mitten in ihr. Diese Hoffnung und das ein und andere „Rosenwunder“ für 2026 wünschen wir als Deutscher Hospiz- und PalliativVerband allen unseren Mitgliedern, Netzwerkpartner*innen und Unterstützer*innen, ebenso denen, die Verantwortung tragen und hospizliche oder palliative Angebote gestalten und täglich für andere da sind. Und nicht zuletzt allen Menschen, die schwerstkranke Menschen begleiten und versorgen, sei es als An- oder Zugehörige oder ehrenamtlich in der Hospizarbeit, Palliativversorgung und Trauerbegleitung Tätige. Möge die Zeit um Weihnachten Kraft schenken, Zuversicht geben und Räume öffnen für verlässliche und wärmende Beziehungen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – auch im Namen des gesamten Vorstandes und der Kolleg*innen in der Geschäftsstelle – ein friedliches Weihnachtsfest und einen vertrauensvollen Blick auf das kommende Jahr. Zugleich gilt dieser Wunsch allen, die Weihnachten nicht feiern: Mögen die kommenden Tage – unabhängig von religiösen oder kulturellen Traditionen – von Ruhe, Wärme, guten Begegnungen und Hoffnung geprägt sein. Danke für alle Verbundenheit im zu Ende gehenden Jahr und auf viel Gemeinsames in 2026! Ihre Susanne Kränzle Vorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands |